von Otfried Preussler
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Die kleine Hexe wohnt mit ihrem weisen, sprechenden Raben Abraxas in
einem kleinen Hexenhaus mitten im tiefen Wald. Sie ist mit 127 Jahren für
eine Hexe noch sehr jung und hat erst wenig Erfahrung im Hexen. So
verbringt sie einen Großteil des Tages damit ihr Hexenbuch zu studieren
und sich im Hexen zu üben.
Ihr sehnlichster Wunsch ist es in der Walpurgisnacht mit ihrem Besen auf
den Blocksberg zu reiten, um dort mit den anderen (älteren) Hexen zu
tanzen, was ihr aufgrund ihres Alters jedoch noch verboten ist. (1)
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| Trotz der Warnung von Abraxas mischt sie sich in dieser Nacht unter die zahlreichen ums Hexenfeuer tanzenden Hexen. Nach einer Weile wird sie von ihrer Muhme (2) Rumpumpel, einer Wetterhexe, entdeckt, die sie verrät und zur Oberhexe bringt. Als Strafe für das Mittanzen ohne Erlaubnis wird der kleinen Hexe der Besen weggenommen und sie muss den weiten Heimweg zu Fuß zurücklegen. Zuvor trifft sie aber noch mit der Oberhexe eine Vereinbarung: Sollte es ihr bis zur nächsten Walpurgisnacht gelingen eine gute Hexe zu werden, darf sie - sofern sie dann die schwierige Prüfung vor dem Hexenrat besteht - im nächsten Jahr mittanzen. Nach einem beschwerlichen Heimmarsch überlegt die kleine Hexe zunächst, wie sie sich an der Wetterhexe Rumpumpel rächen kann. Abraxas erinnert sie aber an ihr Versprechen eine gute Hexe zu werden, welches sie dann nicht einhalten könnte und worüber sich Rumpumpel freuen würde. So fasst die kleine Hexe den Beschluss nur noch Gutes zu vollbringen. Fortan studiert sie noch länger in ihrem Hexenbuch bis sie alle wichtigen Hexenkunststücke auswendig hexen kann. Ihr neu erworbenes Hexenwissen nutzt sie, um in den folgenden Monaten viele gute Taten zu vollbringen: Sie hilft alten Weibern beim Holzsammeln, bringt den strengen Revierförster zur Vernunft, wärmt einen Maroni-Verkäufer, beschützt spielende Kinder vor zwei Spielverderbern,usw. Kurz vor Ende des Hexenjahres wiederholt die kleine Hexe noch einmal alle Hexenkunststücke, um für die nahende Prüfung vorbereitet zu sein. Schließlich tritt sie vor den Hexenrat und beweist ihr Können. Alle ihr von den Hexen gestellten Aufgaben löst sie ohne Probleme. Als die Oberhexe ihr schon die Teilnahme an der Walpurgisnacht erlauben will erhebt Rumpumpel Einspruch. Die Wetterhexe berichtet dem Hexenrat von den Taten der kleinen Hexe, die sie während des vergangenen Jahres heimlich beobachtete. Die kleine Hexe bestätigt diese Angaben voller Stolz. Da wird die Oberhexe wütend und erklärt der verständnislosen kleinen Hexe, dass nur Hexen, die immer Böses hexen, gute Hexen sind. Somit ist die kleine Hexe eine schlechte Hexe, weil sie stets Gutes hexte. Zur Strafe soll sie den Scheiterhaufen für das Hexenfeuer errichten. Doch die kleine Hexe schmiedet diesmal wirklich einen Racheplan. Kurz vor Mitternacht in der Walpurgisnacht hext sie alle Besen und Hexenbücher der anderen Hexen herbei, hext diesen das Hexen ab und steckt den Scheiterhaufen aus Besen und Büchern in Brand. Die kleine Hexe umtanzt allein mit ihrem Raben Abraxas das lodernde Feuer und ist nun die einzige Hexe auf der Welt, die hexen kann. |
Personen und ihre Darsteller
| Die kleine Hexe | Andrea Meyer | ||
| Abraxas | Dirk Langerenken | ||
| Förster | Manfred App | ||
| Pferfferkorn | Max Amann | ||
| Rumpumpel | Waltraut Girts | ||
| Oberhexe | Gerda Köhler | ||
| Maroni-Verkäufer | Peter Meyer | ||
| Lausbuben | Catharina Meyer, Teelke Battermann | ||
| Bühnenbild | Egon Schröder | ||
| REGIE | Karin App |
Hinter den Kulissen
| Karin App |
| Daniela Albers |
| Ingrid Wiemken |
| Stefanie Brand |
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Der Autor
Otfried Preußler stammt aus dem böhmischen Vorland des Isergebirges. Geboren wurde er am 20. Oktober 1923 in Reichenberg. Seine Vorfahren lebten dort schon seit dem 15. Jahrhundert und waren als Glasmacher tätig. Seine Eltern waren Lehrer. Er selbst wurde gleich nach dem Abitur Soldat und geriet 1944 in russische Kriegsgefangenschaft. Nach 5 Jahren wurde er freigelassen. Er zog nach Oberbayern, wo sich bereits seine aus Böhmen vertriebene Familie niedergelassen hatte. Otfried Preußler war bis 1970 Volksschullehrer, seitdem lebt er als freier Schriftsteller in Haidholzen bei Rosenheim.
Der Autor zum Stück
"Eines Abends behaupteten unsere kleinen Töchter vor dem Zubettgehen,
sie hätten schreckliche Angst. - Angst wovor? - "Vor den bösen Hexen!"
Ich versuchte ihnen klarzumachen, dass man sich heutzutage vor bösen
Hexen nicht mehr zu fürchten brauche, weil es keine mehr gebe. - "Und
warum gibt es keine mehr?" - Ja, warum eigentlich? Ich gestehe, dass ich
mir bis dahin keinerlei Gedanken darüber gemacht hatte. immerhin
dauerte es nicht allzu lang, bis die Antwort gefunden war. Auf diese Weise
sind die Geschichten von der kleinen Hexe entstanden. Später habe ich
sie zur Probe meinen Schulkindern erzählt - und noch später habe ich sie
dann aufgeschrieben: für unsere drei kleinen Töchter und für alle Kinder,
die wissen möchten, weshalb man sich heutzutage vor bösen Hexen nicht
mehr zu fürchten braucht."
Mehr INFOS
Mögliche Anknüpfungspunkte
bis Seite 10 (vor-) lesen (Ende erster Absatz: die kleine Hexe tanzt
heimlich in der Walpurgisnacht ums Hexenfeuer) - Kinder sollen
vermuten, wie es weitergeht
Schüler erfinden zu der Vielzahl der Episoden aus dem Mittelteil
eine weitere hinzu, in der die kleine Hexe eine gute Tat vollbringt -
die Situationen sind austauschbar und bauen nicht zwangsläufig
aufeinander auf
die Textvorlage kann als Ausgangspunkt für das Verfassen eigner
Zaubersprüche der Kinder dienen, die etwas mit der Handlung zu tun
haben können, aber nicht müssen
eine der "gute-Tat-Episoden" wird nur so weit (vor-) gelesen, bis den
Schülern das Problem/die Notlage deutlich wird - die Schüler sollen
sich ausdenken, wie die kleine Hexe wohl diesmal helfen könnte
bis S. 116 unten ("... eine schlechte Hexe." ) (vor-) lesen - die Kinder
sollen vermuten, wie Rumpumpel beweist, dass die kleine Hexe eine
schlechte Hexe ist - evtl. auch das Ende der Geschichte erfinden
lassen
die Kinder schreiben nach der Lektüre des Buchs ihre
Meinung/einen Kommentar zu der Frage "Wann ist eine Hexe eine
gute bzw. eine schlechte Hexe?"
die Kinder sammeln in Form eines "Sachberichts" Informationen
zum Thema "Hexen"
Anmerkungen
(1) "Blocksberg" ist der Name mehrerer dt. Berge und Höhen, vor allem
des Brockens, der in der Sage als Aufenthaltsort dämonischer Wesen und
als Versammlungsort der Hexen - besonders in der Walpurgisnacht - gilt.
Die neun Tage vor dem ersten Mai sind die Walpurgistage, die Nacht
davor heißt Walpurgisnacht. In dieser Nacht sollen die auf dem Blocksberg
versammelten Hexen besondere Zauberkräfte entfalten.
(2) Muhme = Mutterschwester/Tante oder ältere weibliche Verwandte
(3) Vgl. Sahr 1998, S. 36 u. S. 46.
(4) Doderer 1992, S. 144; vgl. Sahr 1998, S. 94 f.
(5) Maier 1980, S. 102; vgl. Maier 1980, S. 96.
(6) Vgl. Sahr/Born 1985, S. 123 f.
(7) Vgl. ebd., S. 127 ff.
(8) Vgl. Pleticha (Hrsg.) 1998, S. 210.
©opyright Carsten Nix, Berlin, März 2000