Lohnt es sich, Einsatz und Zeit für eine Form der Gemeinschaft aufzubringen, die aus dem vergangenen Jahrhundert stammt? Mit diesen oder ähnlichen Fragen wird sicherlich jede/r StudentIn zu Beginn seiner Studienzeit konfrontiert. Die Masssenmedien unserer Zeit jedenfalls tragen so gut wie nichts zur Beantwortung dieser Frage bei. Hier werden Verbindungen entweder völlig ignoriert, oder aber sie werden als nicht ernst zunehmend belächelt.
Bleibt also die Frage: Was sind Verbindungen wirklich?
Verbindungen oder auch Korporationen sind Gemeinschaften von Studierenden und ehemaligen Studierenden, d.h. von Aktiven und "Alten Herren" (im Berufsleben stehende Ingenieure). Den Mittelpunkt des Verbindungslebens bildet die Aktivitas, der Kreis der jeweils studierenden Mitglieder. Sie teilen sich Aufgaben und Verantwortung und tragen damit die Aktivitäten des Gemeinschaftslebens. Die Verbindung ist nach demokratischen Regeln geordnet und richtet sich freiwillig nach bestimmten Grundsätzen, ihren Prinzipien. Daß der Ursprung der Verbindungen im letzten Jahrhundert liegt und ein Teil der studentischen Bräuche in jener Zeit seine Wurzeln hat, sind historische Fakten. Unbestritten dürfte sein,daß Freundschaft, Bekenntnis zu geistigen und prinzipiellen Werten und eine darauf gegründete Ausrichtung des eigenen Lebens heute noch genauso aktuell sind wie vor mehr als hundert Jahren. In seinem Wesen hat der Verbindungsgedanke nichts von seiner Bedeutung verloren.
Eine Verbindung kann vieles von dem leisten, was die heutigen Hochschulen nicht mehr zu leisten imstande sind:
Die Studienzeit ist immer mehr als alles andere auch Zeit der Persönlichkeitsbildung. Daß die Hochschule Persönlichkeitsformung in ausreichendem Maße gewährleistet, darf wohl mit Recht bezweifelt werden. Gerade in diesem Punkt bietet eine Verbindung ein eizigartiges Entwicklungsfeld:
Diese Dinge werden gleichsam spielerisch eingeübt, dabei handelt es sich ausnahmslos um Qualitäten, die wie selbstverständlich von Akademikern erwartet werden, und zwar in zunehmenden Maße auch wieder seitens der Arbeitgeber.
Gerade diese Dinge verbergen sich hinter der Frage, was man außer einem Studienabschluß noch zu bieten hat. hat. Praktisch jeder, der Mitglied in der Verbindung wurde, räumt ein, daß ihm die Verbindung für seine menschliche, persönliche Entwicklung etwas "gegeben" hat. Es gibt wohl kaum eine andere Institution, die - was diesen Punkt angeht - mehr leisten kann als eine Verbindung.
Schießlich bietet das Verbindungleben den Ausgleich zum Studium, ob nun durch Feste, Feten oder einfach durch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Die dabei enstehenden Freundschaften, das Gefühl dazuzugehören, das ist das eigentliche Band, das eine Verbindung bestehen und weiterleben läßt.
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Johannes Kröger